Welche Rechte gelten eigentlich, wenn ich fremdes Material in YouTube-Videos verwende?
Urheberrecht, Zitatrecht, Satire und Kunstfreiheit. Diese Begriffe hast du vielleicht schon mal gehört. Und sie sind auch ziemlich relevant für dein YouTube Marketing. Aber was bedeutet das alles konkret? Eine kurze Einordnung:
Das Urheberrecht auf YouTube und im Internet
Grundsätzlich hat jede Person, die irgendein Werk erstellt, das Urheberrecht an diesem Werk. Das bedeutet, dass alle Bilder, Videos, Musik und andere Werke wie Gemälde, die du im Internet findest, grundsätzlich dem Urheberrecht unterliegen. Dieses Urheberrecht gilt selbstverständlich auch für YouTube-Videos. Du musst also bei der schaffenden Person nachfragen, ob du ihr Werk verwenden darfst. Das gilt insbesondere, wenn du das Werk einer anderen Person als Unternehmen in deine YouTube-Videos einbauen möchtest. Denn dann wird das Werk einer fremden Person für deine Marketingzwecke eingesetzt. Eine kleine Randnotiz: Das Urheberrecht verfällt 70 Jahre nach dem Tod der schaffenden Personen. Das bedeutet, dass zum Beispiel Gemälde und Bücher von Künstlerinnen und Autoren, die lange tot sind, ohne Einschränkungen verwendet werden dürfen.
Das Recht am eigenen Bild
Sind Personen auf einem Foto oder Video eindeutig erkennbar, benötigst du für eine Veröffentlichung grundsätzlich ihre Einwilligung. Es gibt jedoch Ausnahmen, etwa bei Aufnahmen von öffentlichen Veranstaltungen oder Versammlungen, wenn das Ereignis und nicht einzelne Personen im Vordergrund stehen. Werden einzelne Personen gezielt hervorgehoben oder ihre berechtigten Interessen verletzt, kann eine Veröffentlichung dennoch unzulässig sein. Sind Personen nicht erkennbar, etwa weil sie von hinten aufgenommen wurden oder ihr Gesicht verpixelt wurde, greift das Recht am eigenen Bild in der Regel nicht.
Das Zitatrecht auf YouTube
Das Zitatrecht erlaubt es dir bei YouTube, fremdes Video- Foto- und Textmaterial zu nutzen, ohne den Urheber zu fragen. Dafür gibt es aber einige Voraussetzungen, die ich später noch erläutern werde. Einfach gesagt bedeutet das Zitatrecht, dass du fremdes Material verwenden darfst, wenn du damit ein eigenes Werk kreierst, das wiederum urheberrechtlich geschützt ist.
Satire
Das Satirerecht bedeutet, dass du Fremdmaterial satirisch in deine Werke einbauen darfst. Das ist in Form von Werbevideos jedoch eher schwierig. Deshalb kannst du dich nicht darauf verlassen, dass du für das Verwenden von Fremdmaterial in satirischen Beiträgen nicht abgemahnt wirst.
Das sind die grundlegenden Gesetze, auf die du bei der Verwendung von fremden Video- und Bildmaterial achten musst. Besonders wichtig ist das Zitatrecht für YouTube. Darauf gehe ich jetzt noch genauer ein.

Wie genau funktioniert das Zitatrecht für YouTube?
Das Zitatrecht besagt, dass du fremde Videos und Bilder in deine YouTube-Videos einbauen darfst, wenn du zwei Kriterien erfüllst.
- Du musst die Quelle des ursprünglichen Beitrags angeben.
- Du musst dich in deinem YouTube-Video aktiv mit dem Inhalt des Fremdmaterials auseinandersetzen.
Was bedeutet “aktiv auseinandersetzen”? Das heißt, dass du in deinem YouTube-Video auf die Inhalte des fremden Materials eingehen musst. Du kannst beispielsweise deine Meinung als Experte äußern, dich wissenschaftlich damit auseinandersetzen, oder den Inhalt kritisch einordnen. Dann entsteht nach dem Zitatrecht aus dem fremden Beitrag und deinen Inhalten ein neues Werk, das wiederum urheberrechtlich geschützt ist. So sind alle Kriterien des Zitatrechts erfüllt und du darfst die fremden Inhalte in deinen eigenen Videos verwenden.
Aber was gibt es für Einschränkungen? Grundsätzlich gilt: Wenn du es übertreibst, bekommt dich der Rechteinhaber unter Umständen trotz Zitatrecht dran, auch wenn du dich kritisch mit den Inhalten auseinandersetzt. Deshalb solltest du deine YouTube-Videos nie mit Fremdmaterial überladen, sondern immer darauf achten, dass deine eigene Leistung im Vordergrund steht.
Du solltest auch nur die Ausschnitte aus Fremdmaterial verwenden, die wirklich für dein YouTube-Video relevant sind. Wenn du beispielsweise Szenen aus Hollywoodfilmen in deinem Video einbaust, dann solltest du darauf achten, nur möglichst kleine Ausschnitte zu benutzen und nach Möglichkeit keine bekannten Schauspieler einzubauen.
Du kennst vielleicht Videos auf YouTube, in denen Filmfehler gezeigt werden. Dort ist es für die Gesamtkomposition wichtig, dass ein Ausschnitt aus dem Film gezeigt wird. Dieser Ausschnitt beschränkt sich jedoch oft nur auf wenige Sekunden und in der Regel sind Gesichter für den Filmfehler irrelevant. Wenn jemand also ein solches YouTube-Video erstellt und 20 bis 30 Sekunden lange Teile aus einem Film einbaut, kann es sein, dass die Filmproduktionsgesellschaft sich meldet und das Video oder Teile davon gelöscht werden müssen.
Was bedeutet das Zitatrecht jetzt konkret für deine YouTube-Videos?
Wenn du Fremdmaterial in deine Videos einbauen möchtest, dann solltest du dich an ein paar Regeln halten. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, solltest du unbedingt den Rechteinhaber fragen, ob du seine Inhalte nutzen darfst. Je nach Fall, ist das mal schwieriger und mal einfacher. Wenn du Ausschnitte aus Filmen oder von Schauspielern nutzen möchtest, ist eine Erlaubnis in der Regel nicht möglich, weil die Produktionsgesellschaft entweder nicht auf so kleine Deals eingeht, oder die Bilder unglaublich teuer werden. Bei solchen Ausschnitten solltest du dich dann also auf das Zitatrecht verlassen.
Grundsätzlich gilt: Wenn du Ausschnitte aus fremdem Material oder fremde Fotos verwendest, dann musst du dich aktiv mit diesen Ausschnitten auseinandersetzen. Das ist unbedingt nötig, weil du ansonsten abgemahnt werden kannst und das kann teuer werden. Das heißt, wenn du Ausschnitte nur verwendest, um dein YouTube-Video hübscher zu machen, zum Beispiel um im Intro des Videos Eyecatcher einzubauen, dann ist das nicht erlaubt. Und zwar unter keinen Umständen. Du darfst fremdes Material nicht einfach verwenden, um dein Video optisch aufzuwerten oder spannender zu machen. Die Ausschnitte von fremdem Material müssen grundsätzlich immer einen Mehrwert für dein YouTube-Video liefern und für den Kontext notwendig sein.





